History of the Peloponnesian War
Thucydides
Thucydides. Geschichte des Peloponnesischen Kriegs. Wahrmund, Adolf, translator. Stuttgart: Krais and Hoffmann, 1864.
Das also war der erste Ausbruch der Leidenschaften, welche die Kerkyräer in der Stadt gegen einander zum Blutvergießen trieben. Eurymedou und seine Athener gingen danach wieder mit den Schiffen unter Segel. Später aber nahmen die Flüchtlinge der Kerkyräer — denn es hatten sich ihrer gegen Fünfhundert gerettet — einige ver [*]( stürzt (Arnold). Den Männern des Wortes folgten die Männer der That (Krüger). ) [*]( ») Dieß 34. Kapitel, höchst schwächlich und unklar in den Gedanken, wurde von keinem der alten Erklärer dem Thukydides zugeschrieben. ) [*]( Thukydides. III. ) [*](17. )
Gegen Ende desselbigen Sommers sandten die Athener zwanzig Schiffe nach Sicilien unter Anführung des Laches, des Sohnes Melanopos', und des Charöades, des Euphiletes' Sohn. Die Syrakufaner nämlich und die Leontiner waren unter einander im Kriege begriffen. Es standen aber auf Seiten der Syrakufaner außer den Kamarinäern alle anderen dorifchen Städte, welche schon von vorn herein beim Beginn des Krieges zur lakedämonischen Bundesgenossenschaft getreten waren, jedoch sich nicht am Kampfe betheiligt hatten; den Leontinern halfen die chalkidischen Städte und Kamarina. Vom italischen Festland waren'die lokrer Bundesgenossen der Syrakusaner, die Rheginer hingegen standen der Blutsverwandtschast wegen bei den Leontinern. Die leontinische Bundesgenossenschaft nun schickte nach Athen und mit Berufung auf ihren alten Waffenbund, und weil sie auch Jonier seien, überredeten sie die Athener, ihnen eine Flotte zu senden; denn die Syrakusaner hatten ihnen Land und See abgesperrt. Die'Athener sandten denn auch die Schiffe ab, indem sie die Verwandtschaft zum Vorwande nahmen, in der That aber, weil sie weitere Zufuhr von Lebensmitteln von dort aus nach dem Peloponnes verhindern und einen Vorversuch machen wollten, ob es vielleicht möglich-wäre, Sicilien in Abhängigkeit von sich zu bringen. Nachdem sie sich nun in Rhegium auf dem italischen Festland festge
Im folgenden Winter kam die Seuche zum zweiten Mal über die Athener. Ganz hatte sie zwar nie aufgehört, jedoch war eine Art Stillstand eingetreten. Das zweite Mal dauerte sie nicht weniger als ein Jahr. Das erste Mal aber hatte sie gar zwei Jahre gewährt, so daß nichts Anderes die Macht der Athener mehr geschwächt hat. Denn von den im Kriege verwendeten Truppen starben daran nicht [*]( 44) Hiemit beginnt die verhängnißvolle Einmischung der Athener in die ficilischen Angelegenheiten. Die Griechen in Unteritalien und auf Sicilien hatten eine ähnliche Stellung gegenüber der karthagischen und etruskifchen Macht, wie die des Ostens gegenüber den Persern, und in deren Behauptung eine eben so schöne Aufgabe, wie ihre östlichen Brüder, der sie zunächst auch ruhmvoll nachkamen. Im Jahr 480 schlugen Gelon von Syrakus und Theron von Akragas (Agrigentum, Girgenti) die karthagische Landmacht bei Himera aus's Haupt, wie die Sage will am selben Tage, als bei Salamis die Flotte der Perser, die mit den Karthagern zur Vernichtung der Hellenen gemeinschaftliche Sache machten, geschlagen wurde. Sechs Jahre später (47 4) schlug Hiero 1. von Syrakus die etruskische Flotte vor Kyme ((Zum»«). So schöne Anfänge hatten aber keinen entsprechenden Fortgang. Die Jtaliker gingen in Ueppigkeit unter, und auf Sicilien führten der Mißbrauch, den Syrakus von seiner Stärke machte, die Bestrebungen der Tyrannen, welche die Reinheit des Hellenenthums durch eingeführte Fremdlinge zersetzten und schwächten/ die Parteikämpfe in den Städten und die Intriguen der Karthager das Verderben herbei. So oft auch im Verlauf der Geschichte die Bevölkerung Unteritaliens und Siciliens durch neues und besseres, Blut aufgefrischt wurde, so war der Ausgang doch immer wieder ein Hinabsinken in völlige Unbedeutendheit. ) [*]( Nach unserem Kapitel stehen sich auf Sicilien die dorischen und die chalkidischen Kolonien einander gegenüber. Dorische Städte waren Syrakus, das hybläische Megara (so beigenannt zum Unterschiede von seiner Mutterstadt), Akrä, KaSmenä, Kamarina u. a.; Niederlassungen von Ehalkis auf Euböa: Naxos mit seinen Tochterstädten Leontini und Katana, Himera, Kallipolis, Euböa u. a. Auch Zankle, später Messana (Messina) war chalkidischen Ursprungs, wurde aber durch seine spätere messenische Bevölkerung dorisch; unter der Bürgerschaft herrschte daher in Bezug auf Parteinahme in diesem Kriege Spaltung. In Untcritalien waren die Lokrer für SyrakuS, das chalkidifche, aber auch mit Messeniern untermischte Rhegium, vorzüglich aus Haß gegen die benachbarten Lokrer, für Leontini.. Das von den Syrakusanern sehr hart mitgenommene dorische Kamarina hielt ebenfalls zu den Leontinern. Akragas, Pflanzstadt des rhodischen Cela,stand zu Syrakut. ) [*]( 17* )
^n demselben Winter segelten die Athener in Sicilien und die Rheginer mit dreißig Schiffen gegen die Inseln, die des Aeolo s heißen ^); denn zur Sommerszeit war es wegen der seichten Anfuhr nicht möglich, sie anzugreifen. Es bebauen dieselben Liparäer, Absendlinge der Knidier, und sie wohnen nur auf einer dieser Inseln, die auch nicht eben groß ist und Lipara genannt wird. Den Anbau der andern Inseln, Didyme und Strongyle und Hiera, betreiben sie von dieser aus. Die Leute dort glauben, daß Hephästos auf Hiera seine Schmiede habe, weil man in der Nacht einen großen Feuerschein aufsteigen sieht und des Tags über Rauch. Es liegen aber diese Inseln dem Lande der Sicilier und Messenier gegenüber, und sie waren den Syrakusanern verbündet. Als die Athener das Land verwüstet hatten und jene ihnen nicht entgegenrückten, so fuhren sie wieder nach Rheginm zurück. So ging der Winter zu Ende und damit das fünfte Jahr des Krieges, den Thukydides beschrieben hat.
Im folgenden Sommer wollten die Peloponnesier und ihre Bundesgenossen wieder in Attika einfallen und waren schon unter Führung deZ Lakedämonierkönigs Agis, des Sohnes Archidamos; bis zum Jsthmos gekommen; da aber viele Erdstöße eintraten, so wen- deten sie wieder um und der Einfall fand nicht statt. Um eben die-, selbe Zeit, da die Erde erbebte, drang in Enböa bei Orobiä das Meer von der damaligen Küste landeinwärts, und hoch schwellend flnthete es über einen Theil der Stadt und schlang zum Theil die Erde.ein, zum Theil aber kehrte es wieder zurück, und jetzt ist dort an einer Stelle das Meer, wo früher Land war. Auch Menschen verschlang es, Alle, die nicht schnell genug nach den Anhöhen fliehen konnten. Auch bei der Insel Atalante in der Gegend der opuntischen Lokrer geschah eine ähnliche Ueberschwemmnng und riß einen Theil der athe- [*]( 45) Lipara, die größte der Inseln des AeoloS, daher diese seist liparische heißen, war von KnidoS bevölkert worden, welches seinerseits von Lakedämon abstammen wollte. )
Zur selbigen Sommerzeit kämpften sowohl die Andern, wie es sich gerade Jedem schickte, als auch auf Sicilien die Sicilianer selbst unter einander und auch die Athener mit ihren Bundesgenossen. Was nun Erwähnenswerthes die Verbündeten mit den Athenern ausführten, oder auch die gegen die Athener fochten, das will ich hier aufzählen. Da Charöades, Feldherr der Athener, damals schon im Kampfe gegen die Syrakusier gefallen war, so zog Laches, der nun den Oberbefehl über sämmtliche Schiffe hatte, mit den Bundesgenossen gegen Mylä, die Stadt der Messenier. Es lagen aber in Mylä zwei Bürgerabtheilungen der Messenier als Besatzung, die denen von den Schiffen auch einen Hinterhalt legten. Die Athener jedoch und die Bundesgenossen schlugen die in dem Hinterhalt in die Flucht, tödteten ihnen viele Leute, und gegen den Wall stürmend nöthigten sie sie vergleichsweise die Burg zu übergeben und mit ihnen gegen Messens zu Felde zu ziehen. Und auch die Messenier, als dann die Athener mit den Verbündeten heranrückten, glichen sich mit ihnen aus, indem sie Geißeln stellten und auch sonst Bürgschaft gewährten.
In demselben Sommer schickten die Athener dreißig Schiffe nach dem Peloponnes, auf denen befehligten Demosthenes, Sohn des Alkisthenes, und Prokles, des Theodoros Sohn, und sechzig andere Fahrzeuge mit zweitausend Schwerbewaffneten gegen Melos sMilo) ^). [*]( 46) Die Mehrzahl der Messinesen war bis zum siebenten Jahr des Krieges fiir Athen. Die bürgerlichen Abtheilungen waren zugleich die militärischen. ) [*]( 47) Die Insel Melos, eine der Kykladen, sehr fruchtbar, mit einem Hasen, hatte dorische Bevölkerung, wollte aber neutral bleiben. Später wurde es von den Athenern genommen. )