History of the Peloponnesian War
Thucydides
Thucydides. Geschichte des Peloponnesischen Kriegs. Wahrmund, Adolf, translator. Stuttgart: Krais and Hoffmann, 1864.
Die Peloponnesier aber auf den vierzig Schiffen, die in aller Eile hätten herankommen sollen, säumten sich schon in den Peloponnesischen Gewässern, und auch aus der weiteren Fahrt rückten sie nur langsam vorwärts. Die Athener in der Stadt erhielten nicht eher Kenntniß von ihnen, als bis sie sich bei Delos zeigten. Als sie von da weiter nach Ikaros und Mykonos kamen, erhielten sie zuerst die Nachricht, Mytilene sei genommen. Da sie aber Gewißheit haben wollten, so segelten sie nach Embaton im Erythräischen ^am Vorgebirge Kara Burun vor dem Busen von Smyrna^. Sieben Tage ungefähr waren seit der Einnahme Mytilene? verflossen, als sie bei Embaton landeten. Da erhielten sie denn Gewißheit und beriethen nun, was unter diesen Umständen zu thun sei, und Teutiaplos, ein Mann aus Elis, sprach zu ihnen also:
„Alkidas und ihr andern Heerführer der Peloponnesier, soviel unserer hier sind! Mir scheint, wir sollten ungesäumt auf Mytilene lossegeln, bevor wir noch ausgekundschaftet werden. Wir wer-
So redete dieser, gewann jedoch den Alkidas nicht. Da forderten ihn denn einige Andere von den Ionischen Flüchtlingen und mitsegelnden Lesbiern auf, wenn er schon diese Gefahr fürchte, so möge er eine der Ionischen Städte wegnehmen oder das Aeolische Kyme, damit sie an einer solchen Stadt einen Ausgangspunkt hätten, um Jonien zum Abfall zu bringen. Dazu sei Hoffnung vorhanden; denn sie seien keinem unerwünscht hierher gekommen. Sie sollten also diese bedeutendste Einnahmsquelle der Athener ihnen wegnehmen, und wenn dieselben dann zu einer Blokade schritten, so würde ihnen dadurch noch obendrein Aufwand abgenöthigt. Auch seien sie der Meinung, man könne den Pissuthnes sden persischen Satrapen^ wohl überreden, sich ihrer Kriegführung anzuschließen. Alkidas aber ging auch darauf nicht ein, sondern dachte nur, da er bei Mytilene schon einmal zu spät gekommen war, so bald als möglich den Peloponnes wieder zu gewinnen.
Er ging also von Embaton wieder unter Segel, schiffte an der Küste hin und landete bei Myonnesos, das den Tejern gehört, und ließ die Mehrzahl der Kriegsgefangenen, die er unterwegs gemacht hatte, abschlachten. Als er darauf bei Ephesos vor Anker ging, kamen Gesandte der Samier aus Auäa und sagten ihm, das sei nicht die Art, wie man Hellas frei mache, wenn er [*]( 18) Diese Samier waren von der den Athenern feindlichen Partei ihrer Insel und lebten als Flüchtlinge in Anäa auf der lleinasiatischcn Küste. )
Von Ephesos aber machte sich Alkidas mit der Flotte in aller Eile auf und davon. Er war nämlich, als er noch bei Klaros vor Anker lag, von der „Salamina" und der „Paralos" '^) entdeckt worden, die gerade von Athen aus ansegelnd in Sicht kamen, und aus Furcht verfolgt zu werden, suchte er nun die offene See, in der Absicht, ohne Noth nirgends anders zu landen, als im Peloponnes. - Nun kam dem Paches und den Athenern auch von Erythräa und sonst überallher Botschaft; denn da Jonien unbefestigt war, so war die Besorgniß sehr groß, die Peloponnesier möchten aus ihrer Kreuzung, wenn sie auch nicht gerade sich festzusetzen im Sinne hätten, so doch gelegentlich landen und die Städte plündern. Dazu meldeten nun die „Paralos" und die „Salamina", daß sie selbst den Feind bei Klaros in Sicht gehabt hätten. Paches lief nun mit vollen Segeln zur Verfolgung aus und setzte sie auch bis auf die Höhe der Insel Patmos fort; da er aber dann sah, daß er sie nicht mehr einholen könne, so kehrte er wiederum und erachtete es nun, da er sie schon einmal auf hoher See nicht mehr getroffen, für Gewinn, ihnen nirgendwo ^an der Küste) begegnet zu sein, wodurch jene zur Ver [*]( 19) So hießen die beiden Staatsschiffe, zugleich die besten Segler, die immer zum Dienste bereit sein mußten; die Mannschaft erhielt deßhalb auch im Frieden täglich 4 Obolen Löhnung. Nach dem Scholiasten zu AristophaneS, Vögel, us, wurde die Salaminia besonders zur Herbeiholnng von Verbrechern oder Angeklagten, die ParaloS mehr im Religionsdienst gebraucht. )
Als er nach der Umkehr an der Küste hinfuhr, landete er auch bei Nation, der Stadt der Kolophonier ^'), wo sich Kolophonier aus der weiter landeinwärts gelegenen Stadt angebaut hatten, nachdem diese von Jtamenes und den Barbaren genommen war, die eine aufständische Partei in der Stadt selbst herbeigerufen hatte. Diese Wegnahme war ungefähr um dieselbe Zeit vorgefallen, als die Peloponnesier das zweite Mal in Attika einfielen. In Notion nun waren die dorthin geflüchteten Ansiedler auch hier wiederum unter sich zerfallen, und die Einen hatten sich vom Pissuthnes Arkadische und Barbarische Hülfsvölker geben lassen und hielten sich in einem besonders ummauerten Stadttheil. Die medisch Gesinnten aus der landeinwärts gelegenen Stadt der Kolophonier vereinigten sich hier mit ihnen und hatten da ihr Wesen; die andere Partei aber, die hatte weichen müssen und flüchtig geworden war, sührte nun den Paches herbei. Dieser lud den Hippias, den Befehlshaber der Arkader in der Befestigung, zu einem Zwiegespräch mit dem Versprechen, ihn wieder heil und gesund in die Festung zu bringen, wenn seine Vorschläge nicht annehmlich sein sollten. Der kam nun auch heraus, Paches aber gab ihn zur Ueberwachung, ließ selbst ganz unvermuthet gegen die Festung Sturm laufen und nahm sie auch, da jene ganz unvorbereitet waren. Die Arkader und Barbaren von der Besatzung [*]( 20) D. h. vor Paches als dem Neberlegenen hätten sich die Lakedämonier mit ihren Schiffen aus das Land flüchten und dieselben durch ein verschanztes Lager decken müssen (vergl. Thuk. l, 117 Anm.), wodurch er selbst zur Blockirung genöthigt worden wäre. ) [*]( 21)Nation war der Hasen des weiter landeinwärts gelegenen ionischen Kolophon. Diese Stadt hatte früher eine aristokratische Regierung; die Anzahl der reichen Familien soll die der ärmeren überwogen haben, weßhalb eben Aristoteles (Politik. IV, 3, 8) meint, daß die Herrschaft derselben, obwohl eine Herrschaft der Mehrzahl, nicht eine Volksherrschaft (Demokratie) genannt werden könne, weil sie eine Herrschaft der Reichen gewesen sei. Seit ihrer Eroberung durch die Barbaren d. i. die Lydier nach 716 v. v. Chr. waren ihre Zustände zerrüttet. Sie soll zuerst von den ionischen Städten lydische Weichlichkeit und Ver- derbthcit angenommen haben. Die Flotte war bedeutend, die Reiterei als sehr h )
Da Paches nach Mytilene zurückgekommen war, eroberte er noch Pyrrha und Eresos, bekam auch Saläthos, den Lakedämonier, gefangen, der sich in der Stadt versteckt gehalten hatte, und sandte ihn nach Athen, wie auch diejenigen der Mytilenäer, die er auf Tenedos verwahrt hatte, und wenn ihm sonst Einer an dem Abfall Mitschuld zu haben schien. Auch den größeren Theil des Heeres entließ er; mit den Uebrigen blieb er und traf für Mytilene und das übrige Lesbos Verfügungen, wie es ihm gutdünkte.