Zu ihnen kam Tags darauf ein Herold der Amprakioten, die von Olpä aus auf agräifches Gebiet entkommen waren, die Verabfolgung ihrer Todten zu begehren, die nach der ersten Schlacht [*]( 13* )
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[*]( 425 v. Chr. ) niedergehanen worden, als sie mit den Mantmeern und den m den Vertrag Eingeschlossenen zu entkommen suchten, ohne in dem Vergleich mit inbegriffen zu sein. Da nun der Herold die Waffenrüstungen derer aus der Amprakiotischen Hauptstadt sah, wunderte er sich sehr über die große Menge; denn er wußte nichts von dem neuen Unglück, sondern glaubte, es seien die Waffen der mit ihnen selbst Ausgezogenen. Da fragte ihn Einer, worüber er sich so wundere, und wie viele von ihnen denn gefallen seien? Der so Fragende glaubte aber, der Herold sei von denen von Jdomene. Dieser nun meinte, ungefähr zweihundert. Darauf erwiderte der gefragt hatte: „Das scheint doch nicht nach diesen Waffen da, sondern es sind ihrer mehr als Tausend." „So können sie," sagte der Herold, „nicht von unsern Leuten sein." „Doch freilich," erwiderte Jener, „dafern ihr gestern bei Jdomene gefochten habt." „Aber wir haben gestern mit Niemanden zu thun gehabt, sondern vorgestern bei dem Abzüge." „Nun und wir haben gestern mit denen hier gefochten, die ans der Amprakiotischen Hauptstadt zu Hülfe heranzogen." Wie der Herold dieß hörte und nun wußte, daß der Zuzug aus ihrer Stadt zusammengehauen sei, so seufzte er tief auf, und ganz außer sich über die Größe des hereingebrochenen Unglücks, ging er zurück, ohne seines Auftrags zu gedenken und verlangte nicht weiter die Ausfolgung der Todten. Und in der That war im Verlaufe dieses Krieges dieß das größte Unglück, welches eine hellenische Stadt im Raume so weniger Tage erlitten hat. Die Zahl der Gefallenen habe ich nicht niedershcreiben wollen, weil die, welche allgemein angegeben wird, nicht in dem Verhältnis; zur Größe der Stadt steht, um glaublich zu ershceinen. Amprakia aber, das weis; ich gewiß, hätten die Akarnaner und Amphilochier im ersten Anschrei genommen, wenn sie hierin den Athenern und dem Demosthenes hätten folgen wollen, die zur Erstürmung aufforderten. Sie fürchteten jedoch, daß die Athener, wenn sie die Stadt erst hätten, ihnen noch schwierigere Nachbarn würden.
Danach schieden sie den dritten Theil der Waffenbeute für die Athener aus und vertheilten das Uebrige unter sich, nach den Städten. Der Antheil der Athener wurde ihnen jedoch auf der Fahrt abgenommen; was aber davon jetzt noch in den attischen Heilig
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thümern zur Schau steht, das sind die dreihundert Ganzrüstungen,
[*]( 425 v. Chr. ) die für den Demosthenes ausgeschieden worden waren und die er selbst aus der Rückfahrt mitgebracht hat. Denn nach dieser That durfte er sich wegen des Unglücks in Aetolien schon nicht mehr vor der Heimkehr fürchten. — Die Athener auf den zwanzig Schiffen gingen nun nach Naupaktos. Die Akarnaner aber und Amphilochier schloßen nach dem Abzüge der Athener und des Demosthenes einen Vergleich mit den Amprakioten und Peloponnesiern, die zum Salynthios und den Agräern entkommen waren. Danach durften sie von Oeniadä aus abziehen, wohin sie sich nämlich vom Salynthios begeben hatten. Und für die Zukunft machten die Akarnaner und Amphilochier einen Frieden und Waffenbund mit den Amprakioten > auf hundert Jahre. Danach sollten weder die Amprakioten mit den Akarnanern zu Felde ziehen dürfen gegen die Peloponnesier, noch auch die Akarnaner mit den Amprakioten gegen die Athener; gegenseitig aber sollten sie sich ihr Gebiet vertheidigen helfen, und was die Amprakioten an Land oder an Geißeln von den Amphilochiern in Händen hatten, das sollten sie zurückgeben, auch der Stadt Anaktorion keine Hülse leisten, denn die war. den Akarnanern Feind. In diesen Punkten kamen sie überein und machten damit dem Krieg ein Ende. Danach schickten die Korinther eine Besatzung aus ihrer Bürgerschaft nach Amprakia, gegen drei hundert Schwerbewaffnete unter Führung des Xenoklidas und des Euthykles, die unter großen Schwierigkeiten auf dem Festlandswege dahin kamen. Solchen Verlauf nahmen die Dinge wegen Amprakiens.
Auf Sicilien unternahmen die Athener in demselben Winter von der See aus eine Landung gegen Himeräa,' während gleichzeitig die Sikelier vom Binnenlande aus über die Gränzen von Himeräa eindrangen, und auch gegen die äolischen Inseln segelten sie. Als sie dann in Rhegium wieder eingelaufen, trafen sie dort den Pythodoros, des Jsolochos Sohn, als Feldherrn der Athener, der den Laches in seinem Flottenkommando abgelöst hatte. Die Sikelischen Bundesgenossen hatten nämlich Schiffe nach Athen geschickt und diese überredet, sie mit einer stärkeren Flotte zu unter - [*]( 54) Laches war einer Anklage wegen abberufen worden. )
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[*]( 425 v. Chr. ) stützen. Denn auf ihrem Landgebiet waren die Syrakusaner Meister und auch von der See wurden sie durch eine geringe Zahl Schiffe von jenen abgeschnitten. Das nun wollten sie nicht länger mehr ertragen, und trachteten nun eine Flotte aufzubringen. Die Athener bemannten auch vierzig Schiffe, sie ihnen zuzusenden, einmal weil sie den Krieg so früher zu Ende zu bringen hofften, und dann auch, weil sie ihrer Flotte Gelegenheit zur Uebung geben wollten. Den einen der Feldherrn nun, den Pythodoros, sandten sie mit wenigen Schiffen ab; Sophokles, den Sohn des Sostratides, und Eurymedon, des Thukles Sohn, wollten sie mit der größeren Zahl der Schiffe später nachschicken. Pythodoros aber, der bereits an des Laches Statt das Kommando des Geschwaders übernommen hatte, segelte zu Winters Ende gegen die Verschanzung der Lokrer, welche Laches früher genommen hatte, wurde aber im Treffen von den Lokrern besiegt und zog sich wieder zurück.
Um eben diese Frühlingszeit brach auch der feurige Lavastrom aus dem Aetna 52), wie auch schon früher, und verwüstete den Katanäern einen Theil ihrer Ländereien. Denn diese wohnen am Aetna, der in Sicilien der höchste Berg ist. Dieser Ausbruch, sagen sie, sei im fünfzigsten Jahre nach dem vorangegangenen erfolgt, und im Ganzen, seitdem Sicilien von Hellenen bewohnt sei, wäre der Berg zum dritten Mal ausgebrochen. Das ist's, was in diesem Winter geschah, und damit ging das sechste Jahr dieses Krieges zu Ende, den Thukydides beschrieben hat. [*]( 55) Vergl. Humboldt, Kosmos, l. S. 45 l. (Krüger) )
Druck von C. Hoffmann in Stuttgart.
Siebentes Kriegsjahr: 425—24. Kap. 1—51.
Kap. Syraknsauer und Lokrer nehmen Messana weg und die Lokrer fallen in das Gebiet von Nhegtum.— Einfall der Peloponnesier in Attika. Attische Flotte nach Kerkyra und Sieilien. — 3—5. DemostheneS befestigt Pylos. — 6. Die Peloponnesier ziehen aus Attika ab. — 7. Eion von den Athenern gewonnen und verloren. — 8 — 13. Ereignisse vor Pylos. — 14. Seesieg der Athener daselbst. Spartaner ans Spkakteria abgeschnitten. — 15. Eindruck in Sparta. — 16. Waffentsillstand. — 17—20. Rede der Spartanischen Gesandten in Athen. — 2l—23 ohne Erfolgs Der Kampf beginnt wieder. — 2^. 25. Sieilianische Ereignisse. — 26. Die Athener vor Pylos leiden Noth. — 27—29. Kleon geht dorthin. Die Spartaner auf Sphakteria getödtet oder gefangen. — 40. Eindruck des Ereignisses unter den Hellenen. — 41. Messenier nach Pylos versetzt. — 42—45. Seezug der Athener gegen Korinth. — 46—48. Blutige Ereignisse auf Kerkyra. — 49. Die Athener nehmen Anaktorion. — 5l). Artaphernes, der persische Gesandte, von den Athenern gefangen. — 51. Die Chier verlieren ihre Mauern.
Achtes Kriegsjahr: 424—23. Kap, 52—11V.
Kap. 52. Sonnenfinsterniß und Erdbeben. Antandros von den Mylilenischcn Flüchtlingen genommen. — 53 —55. Die Athener erobern Kythera und 56. 57. Thyrea. — 58—65. Die
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Sikelioten schließen unter sich Frieden (59—64 Rede des Hermokrates). — 66—74. Die Athener nehmen Nisäa nnd die langen Mauern von Megara. Diese entsetzt durch Brasidas. — 75. Die Athener nehmen Antandros. Ereignisse im Schwarzen Meere. — 76. 77. Vergebliche Unternehmung der Athener gegen Siphä und Chäronea. — ^8—82. Brasidas zieht durch Thessalien nach Chalkidike; — 83. zieht mit Perdikkas gegen die Lynkester; — 84—88. gewinnt Manthos. Rede, daselbst. 89 —101. Die,Athener befestigen Delion, werben aber von den Böotiern geschlagen (92. Rede des Pagondas an die Böotier, 95.-des Hippokrates an die Athener). — 1.01. Demosthenes landet in Sikyonia und wird zurückgeschlagen. Sitalkes stirbt. — 102—108. Brasidas gewinnt Amphipolis (107/Thnkydid'es rettet Eion für die Athener). — 109. Die Städte der Athos-Halbinsel gehen Zu Brasidas über. — 110—116. Er nimmt Torone mit Lekythos.Neuntes Kriegsjahr: -1L3—L2 S. Chr. Kap. 117—135.
Kap. 117 — 119. Einjähriger Waffenstillstand g zwischen Athen und Lakedamoil. — 120—123. Skione und Mende gehen zu Brasidas über. Rüstungen'der Athener deßhalb. .— 124. Zweiter Zug des 'Perdikkas und Brasidas gegen Arrhibaos; 125—128. Rückzug beider. "—-129. 130.'.Die Athener nehmen Meute wieder — 131. und schließen'Skione ein. — 132. Perdikkas tritt zu den Athenern über. — 133. Die Thebaner schleifen die Manern von Thespiä. Der Heratempel zu Argos brennt ab. — 134. Schlacht zwischen den Teqeaten und den Mantineern. — 135. Vergeblicher Versuch des Brasidas gegen Potidaa.
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Im folgenden Sommer, zur Zeit, da das Getreide in die [*]( 425 Chr. ) Aehren schoß, fuhren zehn Schiffe der Syrakusaner und ebenso viele, iokrische aus und nahmen Messana auf Sicilien in Besitz, von -den Einwohnern der Stadt selbst herbeigerufen, und so fiel Messana von den Athenern ab. Die Syrakusaner hatten das besonders deßhalb unternommen, weil sie sahen, daß der Platz zur Landung auf Sicilien günstig gelegen sei, und aus Furcht vor den Athenern, diese möchten einmal von dort aus mit größerer Macht einen Angriff aus sie unternehmen, — die Lokrer aber aus Haß gegen die Rheginer und in der Absicht, von beiden Seiten den Krieg mit Nachdruck gegen sie zu führen. Auch waren die Lokrer zu gleicher Zeit mit gesammter Macht in das Gebiet der Rheginer eingefallen, damit diese nicht Messana zu Hülse kommen könnten, zum Theil aber auch aus Einladung der Rheginischen Flüchtlinge, die bei ihnen waren. Denn Rhegium war seit langer Zeit durch inneren Zwist gespalten und konnte sich im Augenblick der Lokrer nicht erwehren, weßhalb diese denn der Stadt um so mehr zusetzten. Nachdem sie das Gebiet verheert, zogen die Lokrer mit dem Landheere wieder ab; jene Schiffe aber blieben vor Messana und bewachten eS, und auch noch andere Schiffe, die eben bemannt wurden, sollten dort sich vor Anker legen, um von da aus Kriegszüge zu unternehmen ').
Um dieselbe Frühlingszeit, bevor noch daS Getreide in Blüthe stand, fielen die Peloponnesier und ihre Bundesgenossen in [*]( 1) In Rhegium, wie in Messana, war die Bevölkerung theils ionisch, theils dorisch. ) [*]( Thukydides IV. ) [*]( 19 )
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[*]( 425 v Chr ) Attika ein, unter Führung des Lakedämonier-KönigS Agis, desArchidamos Sohn, und schlugen ein Lager und verwüsteten daS Land. Die Athener aber schickten die vierzig Schiffe nach Sieilien ab, wie sie sich denn auf eine solche Zahl gerüstet hatten ^), und dazu auch die Anführer, die noch zurückgeblieben waren, Eurymedon und Sophokles; denn Pythodoros, der dritte, war schon früher aus Sicilien angekommen. Diesen trugen sie auf, im Vorüberfahren auch den Kerkyräern in der Stadt Abhülfe zu gewähren, welche von den auf dem Gebirge vershcanzten Flüchtlingen^zeplündert und bedrängt wurden 2). ES waren aber auch von den Peloponnesiern sechzig Schiffe dorthin gegangen, um denen aus dem Gebirge Verstärkung zuzuführen, und auch weil sie hofften, bei der großen HungerSnoth in der Stadt dort der Dinge leicht Meister zu werden. Dem DemostheneS aber, der seit seiner Rückkehr aus Akarnanien^) als Privatmann lebte, erlaubten sie aus seine Bitte, mit jenen vierzig Schiffen in den Peloponnesischen Gewässern irgend etwas auszuführen, wenn er wolle.