History of the Peloponnesian War

Thucydides

Thucydides. Geschichte des Peloponnesischen Kriegs. Wahrmund, Adolf, translator. Stuttgart: Krais and Hoffmann, 1864.

Die Peloponnesier nun unter Eurylochos, sobald sie erfahren, daß die Amprakioten nach Olpä gekommen, brachen von Proschion auf und zogen in Eilmärschen zu Hülfe. Sie überschritten.den Acheloosfluß und marschirten durch Akarnanien, das wegen des Zuzugs nach Argos von Mannschaft entblößt war, rechts lassend die Stadt der Stratier und deren Verschanzung, links das übrige Akarnanien. Als sie das Gebiet der Stratier hinter sich hatten, zogen sie durch Phytia und dann an der Gränze von Medeon hin weiter durch Limnäa und betraten nun das Gebiet der Agräer, das nicht mehr zu Akarnanien gehört und ihnen schon freundlich gesinnt war. Als sie dann das wilde Thyamusgebirg erreicht hatten, überstiegen sie dasselbe und kamen in das argivische Gebiet hinab, ^ als es bereits Nacht war.

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[*]( 426 v. Chr. ) Hier kamen sie zwischen der Stadt der Argiver und dem Lager der Akarnaner bei Krenä unbemerkt durch und vereinigten sich mit den Amprakioten in Olpä.

Nachdem sie ihre Vereinigung bewerkstelligt, setzten sie sich mit Tagesanbruch bei der sogenannten Metropolis fest und schlugen ein Lager. Die Athener mit den zwanzig Schiffen liefen nicht lange danach , als Zuzug für die Argiver in den amprakischen Busen ein, und auch Demosthenes führte zweihundert messenische Schwerbewaffnete und sechzig athenische Bogenschützen zu. Die Schiffe nun gingen vor Anker, um von der See aus die Anhöhe von Olpä zu beobachten, die Akarnaner aber und eine geringe Zahl von Amphilochiern — denn ihre Mehrzahl wurde von den Amprakioten mit Gewalt zurückgehalten — hatten sich bereits bei Argos vereinigt und schickten sich an, den Gegnern eine Schlacht zu liesern, und zum Führer des gesammten Bundesheeres wählten sie neben ihren eigenen Feldherrn den Demosthenes. Dieser rückte nahe an Olpä heran und schlug ein Lager. Der breite Runs eines Waldbachs schied die beiden Theile von einander. Und fünf Tage blieben sie ruhig einander gegenüber stehen, am sechsten aber nahmen beide ihre Aufstellung zu einer Schlacht. Weil nun die Peloponnesier an Zahl stärker waren und ihre Aufstellung ihn überflügelte, so fürchtete Demosthenes eingeschlossen zu werden Und legte darum in einen durch Buschwerk versteckten Hohlweg einen Hinterhalt von Schwer- und Leichtbewaffneten, zusammen gegen vierhundert Mann, damit diese dem überflügelnden Theile der Feinde beim Zusammenstoß in den Rücken fallen sollten. Da nun beide Theile ihre Vorbereitungen getroffen hatten, so kam es zum Zusammenstoß. Demosthenes mit den Messeniern und einigen wenigen Athenern hatte den rechten Flügel, den andern die Akarnaner, wie sie sich grade nach einander aufgestellt hatten, und die anwesenden amphilochischen Wursspießträger; Peloponnesier und Amprakioten aber standen unter einander, nur die Mantineer standen mehr gegen den linken Flügel hin alle bei einander, jedoch nicht an der Spitze des Flügels, sondern da stand Eurylochos mit seinen Leuten, den Messeniern und dem Demosthenes gegenüber.

Als es nun bereits zum Handgemenge gekommen war und die Peloponnesier mit ihrem überragenden Flügel den rechten der Gegner

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umschlossen, so kamen die Akarnaner aus ihrem Hinterhalt zum Vor- [*]( 425 v. Chr. ) schein, fielen ihnen in den Rücken und brachten sie zum Weichen, so daß sie in ihrem Schrecken nicht mehr zur Abwehr Stand hielten, sondern auch den übrigen größeren Theil des Heeres mit sich zur Flucht fortrißen. Denn da diese den Heerhaufen des Eurylochos, bei dem überdieß die größere Stärke war, geschlagen sahen, so geriethen sie ihrerseits in noch größere Furcht. Die Messenier, die dort beim Demosthenes standen, thaten den besten Theil der Arbeit. Die Amprakioten aber und die Andern siegten auf dem rechten Flügel über ihre Gegner und trieben sie bis gen Argos vor sich her, wie sie denn in jenen Gegenden die streitbarsten Leute sind. Da sie aber wieder umwandten und den größten Theil des Heeres besiegt sahen, und auch die übrigen Akarnaner auf sie eindrangen, so retteten sie sich nur mit großer Noth nach Olpä und verloren dabei viele Leute; denn sie stürzten ganz ausgelöst und ohne alle Ordnung daher. Nur die Mantineer bewerkstelligten von dem ganzen Heere ihren Rückzug in bester Ordnung. Der Kampf währte aber bis zum Abend.

Am Tage danach übernahm, da Eurylochos und Violarios gefallen waren, Menedaws den Oberbefehl und war nun in großer Verlegenheit, wie er nach einer so großen Niederlage, wenn er dabliebe, die Belagerung werde aushalten können, da er zu Lande und durch die Attischen Schiffe auch zu Wasser abgeschnitten war, oder wie er sich im Falle eines Rückzugs durchschlagen sollte. Deßhalb machte er dem Demosthenes und den Feldherrn der Akarnaner Vorschläge wegen eines Waffenstillstandes und seines Abzugs und zugleich auch wegen Ueberlassuug der Todten. Die Todten nun gaben diese heraus, stellten selbst ein Siegeszeichen auf und begruben auch ihre eigenen Gefallenen, ungefähr dreihundert an der Zahl; auf den Abzug jedoch für Alle insgesammt gingen sie öffentlich nicht ein, heimlich aber gestatteten Demosthenes und seine Mitfeldherrn von den Akarnanern den Mantineern und dem Meneda'ios, wie auch den übrigen Führern der Peloponnesier und wer sonst von angesehenen Männern bei ihnen war, in aller Eile abzuziehen. Dadurch wollte er die Amprakioten und den großen Haufen der fremden Miethstruppen vereinsamen, mehr aber noch beabsichtigte er die Lake- [*]( Thukydides. III. ) [*]( 18 )

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[*]( 425 v. Chr. ) dämonier so bei den dortigen Hellenen in Verruf zu bringen, als Verräther, die nur sich selbst am meisten im Auge gehabt hätten. Jene hoben denn auch ihre Todten auf, begruben sie in der Geschwindigkeit so gut es ging und machten, denen es gestattet war, heimlich Anstalten zum Abzug.

Dem Demosthenes aber und den Akarnanern wurde nun gemeldet, daß die Amprakioten aus ihrer Hauptstadt mit gesammter Macht auf die erste Meldung von Olpä sich zur Hülse aufgemacht und durch das amphilochische Gebiet heranzögen, um sich mit denen in Olpä zu vereinigen, denn von dem was vorgefallen war, wußten sie noch nichts. Sogleich schickte er also einen Theil seines Heeres ab, auf den Straßen im Voraus Hinterhalte zu legen und die festen Punkte vorwegzunehmen, und zugleich schickte er sich mit dem übrigen Heere an, zur Unterstützung nachzurücken.

Unterdessen verließen die Mantineer und die im Vertrage mitbegriffen waren, die Stadt, vorgebend, sie wollten Kräuter und Holz sammeln, und entfernten sich mehr und mehr von den Mauern, immer in kleinen Gruppen bei einander, indem sie wirklich das suchten, was sie zum Vorwand genommen. Als sie sich dann schon ziemlich weit von Olpä entfernt hatten, beschleunigten sie ihre Schritte. Die Amprakioten aber und die Andern, wie sie grade so haufenweise bei einander standen und jene davon gehen sahen, machten sich auch auf die Beine und liefen hinterdrein, um jene noch einzuholen. Die Akarnaner glaubten nun zuerst, Alle insgesammt wollten gleicherweise ohne Vertrag durchgehen, machten sich hinter den Peloponnesiern her und es kam sogar vor, daß der Eine und Andere von ihnen nach den eigenen Feldherrn schoß, die abwehrten und sagten, es sei ein Vertrag abgeschlossen worden, denn man glaubte, es sei Verrath im Spiel. Dann ließen sie aber doch die Mantineer und die Peloponnesier abziehen und tödteten nur die Amprakioten. Dabei gab es aber viel Streit und Ungewißheit, ob Einer ein Amprakiote sei oder ein Peloponnesier. Ihrer zweihundert ungefähr hieben sie nieder, die Andern flüchteten sich aus das angrenzende Agräische Gebiet und der Agräer-König, Salynthios, der ihr Freund war, nahm sie aus.

Die Amprakioten aus der Stadt kamen unterdessen nach Jdomene. Dieß Jdomene besteht aus zwei hohen Hügeln, deren

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größeren die vom Heere des Demosthenes Vorausgesandten bei An- [*]( 425 v. Chr. ) bruch der Nacht unbemerkt voraus besetzt hatten, den kleineren hat-, ten bereits die Amprakioten erstiegen und blieben die Nacht über dort. Demosthenes und das übrige Heer rückten, nachdem sie ihr Mal genommen un8 sobald es Abend geworden, rasch vor, er selbst mit der Hälfte der Truppen gegen den Paß, die Andern über die amphilochischen Berge; und mit dem ersten Morgengrauen fällt er über die Amprakioten her, die noch im Schlafe lagen und von Allem, was vorgegangen, Nichts gemerkt hatten, vielmehr jene für Leute von den Ihrigen hielten. Demosthenes hatte nämlich absichtlich die Messenier vorangestellt und ihnen besohlen, die Feinde auf Dorisch anzureden, und die Vorposten sicher zu machen; auch waren sie durch das Auge nicht zu unterscheiden, da es noch dunkel war. So wie er nun über sie herfiel, flohen jene und wurden in großer Zahl ans dem Platze niedergemacht, die Andern suchten in die Berge zu entkommen. Weil aber die Wege im Vorhinein besetzt waren und zugleich die Amphilochier, ihrer eigenen Ortsgelegenheiten kundig, überdies; noch den Geharnischten gegenüber den Vortheil der leichten Bewaffnung hatten, jene hingegen, der Gegend unkundig, nicht wußten, wohin sie sich wenden sollten, so fielen sie in Schluchten und in die vorher gelegten Hinterhalte und kamen um. Und jeglichen Ausweg der Flucht versuchend wendeten sich Einige auch gegen das Meer hin, das nicht weit entfernt war, und da sie der attischen Schiffe ansichtig wurden, die zur selben Stunde, da die Schlacht vorfiel, an der Küste dahersegelteu, so suchten sie diese durch Schwimmen zu erreichen, denn in ihrer jetzigen Aufregung dachten sie, es sei besser, wenn es schon einmal sein müsse, von denen auf den Schiffen den Tod zu leiden, als von den barbarischen und ihnen so verhaßten Amphilochiern.

So waren die Amprakioten geschlagen worden und entkamen ihrer nur wenige in ihre Stadt; die Akarnaner aber nahmen den Todten ihre Rüstung ab, stellten Siegeszeichen auf und zogen sich dann auf Argos zurück.