History of the Peloponnesian War

Thucydides

Thucydides. Geschichte des Peloponnesischen Kriegs. Wahrmund, Adolf, translator. Stuttgart: Krais and Hoffmann, 1864.

Als sie nun an der lakonischen Küste hinsegclten und erfuhren, daß die Schiffe der Peloponnesier schon bei Kerkyra stünden, so drängten Eurymedon und Sophokles darauf, die Fahrt gegen Kerkyra zu beschleunigen Demotshenes aber rieth, man solle zuerst bei PyloS vor Ankergehen, und nachdem man ausgeführt, was er dort gethan haben wolle, dann die Fahrt weiter fortsetzen. Als nun die Andern dem widersprachen, erhob sich zufällig ein Sturm und trieb die Schiffe auf PyloS hin. DemotsheneS verlangte nun, man solle den Platz allsogleich befestigen; denn deßhalb grade sei er mitgefahren; und nun zeigte er, wie Ueberfluß an Holz und Steinen vorhanden und der Platz von 'Natur stark und überdieß noch aus eine weite Strecke Landes hin unbewohnt sei. Denn von Sparta liegt Pylos [*]( 2) Vgl. III. 115. ) [*]( 3) Vgl. III, 85. ) [*]( 4) Vgl. III. 114. ) [*]( 5) Dieß PyloS (jetzt Navarin) im alten Messenien war wohl auch Sii, der Nachkommen des NclenS (d. i. deS homerischen Nestor u. s. w.) deren Reich Triphylien und daS südliche Elis »msaßte. Als die Nachsolger deS Königs MenelaoS in Sparta schwächer an Macht wurden, bemächtigten sich die Neliden auch Messenien?, so daß Pylos nun Vorort Messenien? wurde. — Seit der Austreibung der späteren Messen!» durch die Laledämonier lag die ganze Gegend wüste und verlassen. )

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ungefähr vierhundert Stadien (10 deutsche Meilen) entfernt, auf dem [*]( 422 v Chr. ) Gebiete, welches früher Messenien war; die Lakedämonier aber nennen, den Ort Koryphasion. Jene indeß sagten, der Peloponnes habe ja viele unbewohnte Vorgebirge, wenn er durchaus die Stadt durch Landbesetzung in Kosten bringen wolle. Ihm aber schien der Ort vor andern ausgezeichnet, da er auch einen Hafen besitze, und die Messenier, denen ja das Land von Alters her erbzukömmlich sei und die auch mit den Lakedämoniern dieselbe Sprache redeten, würden jenen von da aus sehr vielen Schaden thun können und für den Platz eine zuverläßige Besatzung sein 6 ).

Als er aber weder die Feldherrn bereden konnte, noch auch die Soldaten — er hatte nämlich seine Gedanken später auch den Hauptlcuten mitgetheilt — so blieb er bei der herrschenden Unsee ruhig liegen, bis den Soldaten in ihrer Langeweile ganz von selbst die Lust kam, den Platz abzustecken und die Mauern aufzuführen. Sie legten also Hand an, indem sie wegen Mangels eiserner Werkzeuge zum Behauen ausgesuchte Steine herbeitrugen und sie zusammenfügten, wie es grade paßte; und den Lehm, wo er nothwendig war, trugen sie aus Mangel an Körben aus dem Rücken herzu, indem sie sich bückten, damit er liegen bleibe, und die Hände über dem Rücken zusammenfalteten, damit er nicht herabrutsche. Auch beeilten sie sich auf jede Weise, die angreifbarsten Stellen auszubauen, bevor die Lakedämonier noch anrücken könnten; denn der größere Umfang des Platzes war an sich fest und bedurfte keiner Mauer.

Die Lakedämonier aber feierten grade ein Fest, und da sie die Sache erfuhren, so legten sie ihr überdieß kein Gewicht bei und dachten, die Athener würden ihnen entweder gar nicht Stand halten, wann sie gegen sie anzögen, oder sie würden sie durch Berennung leicht in ihre Macht bekommen. Auch daß ihr eigenes Heer noch in Attika stand, war für sie Anlaß zur Zögerung. Die Athener aber, nachdem sie die Seite des Platzes gegen das Festland hin, und wo es sonst am meisten Noth that, innerhalb sechs Tagen ummauert hatten, ließen den Demosthenes mit fünf Schiffen als Besatzung daselbst zurück; mit [*]( 5) D. beabsichtigt, Messenier auS NaupaltoS (vgl. l, 103) nach Pylos zurückzuversetzen. Die Messenier redeten den dorischen Dialekt, vgl. IN, 112. ) [*]( 19* )

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[*]( 425 v. Chr. ) den übrigen Fahrzeugen beschleunigten sie die Fahrt gen Kerkyra und Sieilien.

Als nun aber die Peloponnesier in Attika die Wegnahme von Pylos erfuhren, zogen sie in aller Eile nach der Heimath ab; denn die Lakedämonier und Agis waren der Ansicht, daß der Umstand mit Pylos sie sehr nahe betreffe. Zugleich aber, weil sie sehr zeitig eingefallen waren und als die Frucht noch grün war, fehlte für die Mehrzahl des Heeres die Nahrung und überdieß litt dasselbe auch durch die Witterung, welche für die schon fortgeschrittene Jahreszeit noch sehr rauh und stürmisch war. So trugen viele Umstände dazu bei, daß sie rascher abzogen und dieser Einfall an Dauer der kürzeste wurde; denn sie waren in Allem nur fünfzehn Tage in Attika gestanden. »

Um dieselbe Zeit nahm Simonides, Feldherr der Athener, die Stadt Eion weg, eine Pflanzung der Mendäer an der thrakischen Gränze?). Dieß führte er aus, nachdem er die wenigen Athener auS den Besatzungen und eine große Zahl der dortigen Bundesgenossen an sich gezogen hatte; doch war auch Verrath im Spiel. Da aber allsogleich die Chalkidier und Bottiäer zur Hülfe heranrückten, so wurde er wieder hinausgeworfen und verlor viele seiner Leute.

Als nun die Peloponnesier, die in Attika gestanden hatten, abgezogen waren, rückten die Spartiaten selbst und von ihren Beisitzern 8) die zunächst wohnenden rasch gegen Pylos heran; der Zuzug der übrigen Lakedämonier geschah langsamer, da sie grade erst von einem andern Feldzug zurückgekommen waren. Sie ließen aber im ganzen Peloponnes herum ansagen, man solle so schnell als möglich zum Angriff von Pylos zu ihnen stoßen, und sandten auch Botschaft zu ihren sechzig Schiffen bei Kerkyra, welche über die Landenge der Leukadier gebracht wurden und so nach Pylos kamen, unbemerkt von den Attischen Schiffen, die bei Zakvnthos lagen. Das Fußvolk war da schon in voller Zahl beisammen. Demosthenes nun, während die Schiffe der Peloponnesier noch im Ansegeln begriffen waren, schickte [*]( 7) Dieß Eion ist nicht der Hasen gleiches Namens bei Amphipolis (IV, IM), sondern in der Landschaft Vierte, an der Gränze der Bottiäer und ChaUidier gelegen. Mende am Busen von Salonichü ) [*]( 8) Vgl. B. l. 101, Ann. 35. )

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unbemerkt noch zwei Schiffe mit Botschaft an den Eurymedon und [*]( 425 v. Chr. ) die Athener auf der Flotte bei Zakynthos: sie sollten herbeikommen, l da der Platz in Gefahr wäre; und diese beiden Schiffe beschleunigten auch ihre Fahrt, wie Demotshenes ihnen aufgetragen. Die Lakedämonier schickten sich nun an, die Verschanzung von der Land- und der Seeseite anzugreisen, in der Hoffnung, sie leicht zu nehmen, da das Mauerwerk in Eile ausgeführt und nur geringe Mannschaft darin sei. Weil sie aber auch gewärtig waren, daß die Attischen Schiffe von Zakynthos her zu Hülfe kämen, so nahmen sie auch Bedacht, für den Fall, daß sie den Platz nicht schon früher gewonnen haben sollten, die Eingänge des Hasens zu sperren, damit den Athenern daS Einlausen unmöglich wäre. Es macht nämlich die Insel, welche Sphak« teria heißt und nahe beim Land sich vor der Küste hinstreckt, den Hafen haltbar und die Einfahrten so eng, daß auf der Seite von Pylos und der Athenischen Verschanzung nur zwei Schiffe zugleich einsegeln können, auf der Seite gegen das andere Festland hin aber acht oder neun. Sie war ganz verlassen und daher mit Wald bedeckt und unwegsam und hatte in der Länge ungefähr fünfzehn Stadien ^5400 Schrittes. Die Einfahrten nun wollten sie verschließen, indem sie Schiffe, eines dicht neben dem andern, mit den Vordertheilen gegen einander gekehrt, austsellten. Die Insel selbst besetzten sie mit Schwerbewaffneten, aus Vorsorge, die Athener möchten von ihr auS sie angreisen, und ebenso stellten sie schweres Volk längs der Festlandsküstc hin. So dachten sie, werde die Insel die Athener abwehren können, und ebenso das Festland, welches eine Landung nicht erlaubte. Denn was von Pylos außerhalb der Einfahrt gegen daS offene Meer zu liegt, hat keinen Hafen und würde jenen keinen Punkt darbieten, von dem auS sie den Ihrigen Unterstützung gewähren könnten; sie selbst hingegen würden ohne Seekamps und ohne sonst etwas zu wagen den Platz ganz gewiß nehmen, da er keine LebenSmittel und nur geringe Kriegsrüstung besitze. Wie beschlossen, setzten sie denn auch Schwerbewaffnete nach der Insel über, die sie aus allen Abtheilungen durch das Loos hatten wählen lassen. Anfangs gingen aber auch Andere ablösungsweise hinüber; deren aber, welche dieß zuletzt traf und die dort eingeschlossen wurden, waren vierhundert und zwanzig und dazu die Heloten bei ihnen. Ihr Anführer war Epitadas,deS Molobros Sohn.

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[*]( 425 v. Chr. ) Da nun Demosthenes sah, daß die Lakedämonier mit Schiffen und Landtruppen zugleich angreisen wollten, nahm auch er seine Maßregeln, zog die Dreiruderer, die er von den zurückgelassenen Schiffen noch hatte, an's Land unter den Schutz der Verschanzung und umgab sie mit einem Pfahlwerk. Die Mannschaft derselben bewaffnete er mit Schilden, die übrigens nicht viel taugten und meist nur von Weidengeflecht waren; denn in dem ganz verödeten Lande gab es keine Möglichkeit, sich Waffen zu verschaffen, und auch jene hatte er nur durch ein messenisches Ranbschiff, einen Schnellsegler von dreißig Rudern, erhalten, der grade angekommen war. Diese Messenier hatten gegen dreißig Schwerbewaffnete unter sich, die er mit den seinigen verwendete. Die Mehrzahl nun sowohl der Bewaffneten, als der Unbewaffneten, stellte er gegen die Festlandsfeite an die am stärksten verschanzten und haltbarsten Punkte des Platzes, mit dem Befehl, dort das Fußvolk abzuwehren, wenn es angreisen sollte- er selbst aber wählte sich auS Allen insgesammt sechzig Schwerbewaffnete und einige Bogenschützen aus und stellte sich mit ihnen außerhalb der Verschanzung am Meere auf, da, wo er erwartete, daß jene am ersten eine Landung versuchen würden. Die Stelle fiel zwar steil und felsig gegen das Meer ab, aber weil ihre Verschanzung dort am schwächsten war, so dachte er, jene würden sich leicht zum Angriff an dieser Stelle bewegen lassen. Die Athener hatten nämlich hier die Vermauerung nicht stark hergestellt, weil sie gar nicht glaubten, jemals von einer überlegenen Flotte angegriffen zu werden; nun aber sahen sie, daß der Platz genommen werden könne, wenn erst die Landung erzwungen sei. Um diese nun wo möglich zu verhindern, rückte er bis dicht an das Meer vor, stellte seine Schwerbewaffneten aus und ermuthigte sie mit solchen Worten: