History of the Peloponnesian War
Thucydides
Thucydides. Geschichte des Peloponnesischen Kriegs. Wahrmund, Adolf, translator. Stuttgart: Krais and Hoffmann, 1864.
Des folgenden Sommers fielen die Peloponnesier und ihre Bundesgenossen zur Zeit, da das Getreide in Blüthe stand, mit Heeresmacht in Attika ein und verwüsteten das Land, nachdem sie ein Lager geschlagen. Anführer war der Lakedämonier-König Archidamos, [*]( 428 v. Chr. ) des Zeuxidamos Sohn. Wie sie auch früher gewohnt waren, machten ^ die athenischen Reiter Ausfälle, wenn es thunlich schien, und verhinderten so wenigstens den großen Haufen der Leichtbewaffneten, sich vom Lager zu entfernen und in der Nähe der Stadt Schaden zu thun. Die Feinde blieben so lange im Lande stehen, als die Lebensmittel ausreichten, zogen sich dann zurück und gingen ein Jeder in seine Heimath.
Gleich nach diesem Einfalle der Peloponnesier fiel Lesbos mit Ausnahme der Stadt Methymne') von den Athenern ab, was [*]( 1) Die Insel Lesbos, nach Strabo XIII, 616. 1100 Stadien, d. i. 27 bis 2S Meilen im Umfang, wurde nach Herodot, Leben Homer's SS. 130 Jahre nach dem Trojanischen Kriege mit Kolonisten besetzt, während sie früher keine Städte gehabt haben soll. GrayS, des Penthylos Sohn, Nachkomme Orest's, soll peloponnesische Achaier, gemischt mit andern Aeoliern aus Böotien und Thessalien dahin geführt haben. Die äolischen Kolonien an der Küste Kleinasiens, und selbst Kyme, welches seinen vortrefflichen Hasen erst spät benutzte, wurden durch Lesbos verdunkelt. Ueppige Luft, höchst fruchtbarer Boden und herrliche Weinpflanzungen zeichneten es auS, daher es bei den Alten das seelige, liebreizende genannt wird (Plin. Naturgesetz. S, 39). Hier wurden Wcttkämpfe der Weiberschönheit zu Ehren der Hera abgehalten, wie auch aus Tenedos und an den Ufern des AlpheioS in Arkadien. Trunk und Wollust waren vor-) [*]( ThukydideS. lll. ) [*]( 13 )
.Die Athener aber, die sowohl von der Seuche bedrängt waren, als auch von dem Kriege, der eben recht in Gang kam und mit Anstrengung betrieben wurde, dachten, es sei eine schlimme Sache, wenn auch noch die Lesbier mit ihrer Flotte und ihrer ungeschwächten Macht auf die Seite ihrer Feinde treten sollten. Deßhalb mochten sie Anfangs jenen Anklagen keinen Glauben schenken, und weil sie nicht wünschten, daß sie wahr seien, so trösteten sie sich eines großen Theiles damit, daß sie wohl auch wirklich nicht begründet seien. Als sie aber dann durch abgeordnete Gesandte die Mytilener nicht dahin vermögen konnten, mit der Verpflanzung der Einwohner und den Kriegsrüstungen auszuhören, so wurden sie wirklich besorgt und beschlossen ihnen zuvorzukommen. Sie schickten also schleunigst vierzig Schiffe, die fertig gerüstet lagen , um nach dem Peloponnes unter Segel zu gehen, dorthin ab. Kle'ippides, des Deinias Sohn, befehligte sie selbdritt. Es war ihnen nämlich gemeldet worden, daß das Fest des Apollo Maloeis") bevorstehe, welches die Mytilenäer insgesammt außerhalb [*]( des Benehmens des Pausanias trat Lesbos mit ChioZ und SamoZ zu den Athenern über. ) [*]( 2)Tenedos, 80 Stadien im Umfang, mit der gleichnamigen äolischen Stadt, hielt treu zu Athen und war mit jährlichen 3 426 Drachmen besteuert (die Dr. — 5 Ggr. 6 Pf.). ) [*]( 3) Blutsverwandt waren nur die Böotier als Aeoler; siehe Anm. l.- Die Lakedämonier waren Dotter. ) [*]( 4) Neben dem Feste der Mesostrophonien, dessen Bedeutung unklar ist, ) [*]( 13*)
Als nun nicht lange danach die Athener auf ihren Schiffen kamen und dieß sahen, so ließen deren Befehlshaber jenen zu wissen thun, was ihnen besohlen sei, und da die Mytilenäer kein Gehör gaben , so schickten sie sich an die Feindseligkeiten zu beginnen. Nun wagten zwar die Mytilenäer, ungerüstet wie sie waren, nnd ganz wider Erwarten zum Kriege gezwungen, mit ihren Schiffen eine kurze Strecke weit aus dem Hasen herauszufahren wie zur Seeschlacht/ da sie aber von den athenischen Schiffen zurückgejagt wurden, so erboten sie sich gegen die Feldherrn zu Unterhandlungen, mit' dem Gedanken sich womöglich die Schiffe durch einen glimpflichen Vergleich für jetzt vom Halse zu schaffen. Die Athenischen Befehlshaber waren dazu auch willig, da sie selbst sich nicht im Stande glaubten, den Kampf mit ganz Lesbos aufzunehmen. Nachdem so eine Waffenruhe zu Stande gekommen war, schickten die Mytilenäer Gesandte nach Athen, nnd darunter neben andern auch einen ihrer Ankläger, der seinen [*]( hatten die Lesbier noch zwei größere Feste: das der Artemis Thermia, d. i. der Schutzgöttin der warmen Quellen, und das des Apollo Maloeis, welches angeblich so genannt wurde, weil es durch Malos, einen Enkel des Teiresws, eingeführt worden sei. Der Ort, wo das Fest gefeiert wurde, hieß ebenfalls Maloeis; siehe weiter unten. )
Zu gleicher Zeit aber schickten sie auch auf einem Dreiruderer Gesandte nach Lakedämon, ohne daß die athenischen Schiffe, die nordwärts der Stadt bei Malea vor Anker lagen, etwas davon merkten; denn sie hatten kein Vertrauen, daß sie bei den Athenern etwas ausrichten würden. Diesen letzteren spielte auf der Fahrt die See übel mit, doch kamen sie nach Lakedämon und setzten so viel durch, daß ihnen Hülse werden solle.
Da nun die Gesandten aus Athen wirklich zurückkamen, ohne etwas vermocht zu haben, so schickten sich die Mytilenäer und das übrige Lesbos, allein Methymne ausgenommen, zum Kriege an; denn diese, wie auch die Jmbrier und Lemnier und einige wenige der übrigen Bundesgenossen waren mit ihren Hülfsgeschwadern zu den Athenern gestoßen. Die Mytilenäer mit ihrem gesammten Volke machten einen Ausfall gegen das Lager der Athener, und es entspann sich dabei eine Schlacht, in welcher die Mytilenäer zwar nicht zurückgeworfen wurden, aber doch weder die Nacht über das Schlachtfeld behaupteten, noch auch sonst Selbstvertrauen genug hatten, um nicht sogleich den Rückzug anzutreten. Und seitdem verhielten sie sich ruhig in der Absicht später wieder einen Kampf zu wagen, wenn ihnen Zuzug aus dem Peloponnes oder ihrer Rüstung sonstwie ein Zuwachs gekommen wäre. Und in der That kamen jetzt auch der Lakonier Meleas und Hermäondas, der Thebaner, zu ihnen, welche schon vor dem [*]( 5) LemnoS und JmbroS, jetzt Stalimene und Lembro, südlich von Thrakien, von denen das erstere einen trefflichen Hafen hatte, blieben bis zum Jahre 410 v. Chr. im Besitze der Pelasger, die von Attika aus eingewandert waren. Damals nun, bei Gelegenheit des Skythenzngs, wurden sie durch den Perser OtaneZ dem DareioZ unterworfen. Während des jonischen Anfstaudes vertrieb Miltiades die Pelasger aus LemnoS und siedelte Athener an.' Aehnliches Schicksal hatte Jmbros. Wie anch Skyros, standen beide Inseln in einem innigeren Verhältnisse zu Athen als andere Kolonien, da ihre Einwohner ganz oder doch zum allergrößten Theil auS eigentlichen Athenern bestanden, und wenn diese auch nicht gleiches Recht mit den athenischen Vollbürgern hatten, so galten diese drei Inseln doch als wesentliche Bestandtheile des athenischen Staats und wurden noch im antalkidischen Frieden den Athenern zugesprochen, 387 v. Chr. )
Den Athenern war unterdessen wegen der Unthätigkeit der Mytilenäer der Muth wieder gewachsen, und sie riefen ihre Bundes- genossen herbei, die sich um so schneller einstellten, da sie sahen, daß von den Lesbiern nichts Zuverlässiges zu erwarten sei. Dieselben mm legten sich an der Nordseite der Stadt hin vor Anker, schlugen zwei feste Lager, auf jeder Seite der Stadt eines, und legten den Verschluß vor beide Hafen. So sperrten sie zwar die Mytilenäer von der See ab, sonst aber waren zu Lande diese die Meister sammt den übrigen Lesbiern, die bereits zu ihnen gestoßen waren. Auch beherrschten die Athener in der Umgebung ihrer Lager nicht viel Land, weßhalb auch ihre Hauptstation für die Proviantschiffe und der Markt bei Malea waren. Auf diese Weise wurde der Krieg vor Mytilene geführt.
Desselbigeu Sommers und um dieselbe Zeit schickten auch die Athener dreißig Schiffe nach dem Peloponnes unter dem Befehle des Asopios, des Sohnes Phormio's, denn die Akarnaner hatten sie gebeten , ihnen entweder einen Sohn oder einen Verwandten des Phormio 6) als Feldherrn zu schicken. Diese Schiffe kreuzten eine Zeit lang und verwüsteten die Küste Lakonika's, dann schickte Asopios die Mehrzahl derselben wieder nach Hause zurück, er selbst aber ging mit zwölfen nach Naupaktos. Darauf rief er das gefammte Volk der Akarnaner unter die Waffen und zog gegen Oeniadä, indem er mit den Schiffen den Acheloos befuhr, während die übrigen Truppen das Land verwüsteten. Da sich aber jene nicht ergaben, so entließ er das Landheer; er selbst segelte gen Leukas, und unternahm eine Landung auf Nerikon, wurde aber auf dem Rückzüge von dem zu Hülfe eilenden Landvolke und den wenigen Besatzungstruppen sammt einem Theile seines Heeres niedergehauen. Später holten die Athener, nachdem sie sich mit ihren Schiffen von der Küste entfernt hatten, unter dem Schutze eines Vertrags ihre Todten von den Leukadiern ab.