History of the Peloponnesian War
Thucydides
Thucydides. Geschichte des Peloponnesischen Kriegs. Wahrmund, Adolf, translator. Stuttgart: Krais and Hoffmann, 1864.
Hier also siegten die Peloponnesier und gewannen die attischen Schiffe; jene zwanzig Schiffe aber, die auf ihrem rechten Flügel standen, verfolgten die eilf attischen Schiffe, welche noch vor der Wendung in die offenere See entkommen waren. Außer Einem Fahrzeuge behielten diese auch den Vorsprung nnd flüchteten in den Hafen von Naupaktos. Beim Apollotempel aber machten sie Halt, kehrten ihre Schnäbel gegen den Feind und schickten sich zur Abwehr an, wenn jene landwärts gegen sie einsegeln sollten. Etwas später kamen auch die peloponnesischen Schiffe, im Rudern den Siegesgesang anstimmend, als ob sie bereits gesiegt Hütten, und ein den andern weit vorausgeeiltes leukadisches Schiff war hinter dem Einen zurückgebliebenen der Athener her. Nun lag zufällig ein Frachtschiff auf der Höhe des Hafens vor Anker; um dieses fuhr das attische Schiff, welches den Vorsprung hatte, herum, faßte das verfolgende leukadifche Schiff in der Mitte und bohrte es in den Grund. Dieser unvorhergesehene und ganz unerwartete Vorfall machte die Peloponnesier stutzig, und da sie zugleich wegen des Sieges in aufgelöster Ordnung verfolgten, so
Die Athener aber, als sie dies sahen, erfüllte neuer Muth, und auf ein Zeichen stürmten sie mit einstimmigem Geschrei auf jene los. Diese aber hielten wegen der begangenen Fehler und wegen der augenblicklichen Unordnung nur kurze Zeit Stand, dann wandten sie sich zur Flucht nach Panormos, woher sie abgesegelt waren. Die Athener verfolgten und nahmen sechs der nächsten Schiffe und gewannen auch die ihrigen wieder zurück, welche jene anfangs am Strande kampfunfähig gemacht und ins Schlepptau genommen hatten. Von der Bemannung tödteten sie einen Theil und nahmen auch einige gefangen. Auf dem leukadifchen Schiffe, welches bei dem Frachtschiff versenkt worden war, befand sich auch der Lakedämonier Timokrates. Dieser erstach sich selbst, als er das Schiff untergehen sah, und sein Leichnam wurde in den Hasen von Naupaktos getrieben. Die Athener aber kehrten nun zurück und errichteten dort ein Siegeszeichen, von wo sie zum Siege ausgefahren waren, dann sammelten sie ihre Todten und die Schiffstrümmer an ihrer Küste und gaben unter einem Vertrage auch den Gegnern die ihrigen heraus. Es stellten aber auch die Peloponnesier ein Siegeszeichen auf, als ob sie gesiegt hätten, wegen der Flucht der Schiffe, die sie an der Küste kampfunfähig gemacht hatten, und auch das Eine Schiff, welches sie genommen hatten, stellten sie auf dem achäifchen Rhion neben dem Siegeszeichen auf. Darauf segelten aus Furcht vor der Hülfsflotte der Athener Alle außer den Leukadiern bei Nacht in den Krisäischen Busen und nach Korinth, und nicht lange nach dem Rückzüge dieser Schiffe kamen auch die zwanzig attischen Schiffe aus Kreta nach Naupaktos, welche dem Phormio noch vor der Seeschlacht hätten zu Hülfe kommen sollen. — Damit war dieser Sommer zu Ende.
Ehe aber die Bemannung der Flotte, welche sich nach Korinth und dem Krisäischen Meerbusen zurückgezogen hatte, aus einander ging, wollten Knemos und Brasidas und die übrigen Feldherrn der Peloponnesier zu Winters Anfang, von den Megarensern berathen. [*]( ThukydideS. II. ) [*]( 14 )
Nach Athen aber meldeten Feuerzeichen die Ankunft von Feinden, und es entstand darüber eine Bestürzung, nicht geringer als irgend eine während des Krieges. Denn die in der Stadt glaubten, der Feind sei schon in den Piräeus eingesegelt, und die im Piräeus dachten, Salamis sei schon genommen, und die Feinde würden nun ohne Weiteres heransegeln, was diese auch sehr leicht hätten thun können, wenn sie nicht gezaudert hätten; der Wind würde sie wohl nicht gehindert haben. Mit Tagesanbruch aber eilten die Athener insgesammt nach dem Piräeus, zogen die Schiffe in's Waffer, bestiegen sie in aller Hast und unter großem Lärm und segelten nach Salamis, nachdem sie die Fußtruppen zur Bedeckung des Piräeus aufgestellt hatten. Die Peloponnesier aber, die auf Salamis fast Alles durch- sucht und Menschen und Leute mitgeschleppt hatten, als sie die zum Entsatz Herankommenden wahrnahmen, gingen mit den drei Fahr
Um dieselbe Zeit, zu Winters Anfang, zog der Thrakerkömg Sitalkes, des Teres Sohn, der Odrysier, zu Felde gegen den Makedonierkönig Perdikkas, den Sohn Alexanders, und zugleich gegen die Chalkidier an der thrakischen Gränze; und dies that er sowohl um die Erfüllung einer ihm gemachten Zusage zu erzwingen, als auch um ein Versprechen zu erfüllen, das er selbst gegeben hatte. Denn Perdikkas hatte ihm eine Verheißung gemacht für den Fall, daß er ihn, der zu Anfang des Kriegs in Bedrängniß war, mit den Athenern aussöhne und seinen ihm feindlich gesinnten Bruder Philipp nicht als König in's Land zurückführe. Was er aber damals versprochen, hatte er nicht gehalten. Gegen die Athener anderseits hatte er bei Schließung des Bündnisses mit ihnen sich anheischig gemacht, den Chalkidischen Krieg an der thrakischen Gränze zu Ende zu bringen. Aus beiden Ursachen also unternahm er diesen Zug und führte Philipp's Sohn Amyntas mit sich, um ihm die Herrschaft über die Makedonier zu vershcaffen. Auch die athenischen Gesandten, die eben dieser Angelegenheit wegen bei ihm waren, und der Feldherr Hagnon begleiteten ihn. Denn auch die Athener sollten mit Schissen und möglichst viel Landtruppen gegen die Chalkidier mitwirken.
Zu diesem Zuge aus dem Odryserlande hatte er zuerst von den Thrakern diejenigen in die Waffen gerufen, welche zwischen dem Hämos ^Balkan^s und dem Rhodope-Gebirge ^Despoto-Dag^ wohnen, soweit sie eben unter seiner Herrschaft standen, hinüber bis zum Meere, dem Euxinos ^schwarzen Meeres nämlich und dem Hellespont ^Straße der Dardanellen). Darauf auch die Geten jenseits des Hämos und die übrigen Völker, so viele ihrer diesseits des Jster ^Donau^ weiter gegen den Euxinos hin wohnen. Die Geten und die Anderen in jenen Gegenden sind aber Gränznachbarn der Skythen und haben dieselbe [*]( 14* )
Es erstreckte sich aber die Herrschaft der Odryser ihrer Ausdehnung nach auf der Seeseite hin von der Stadt Abdera an bis in den Pontos Euxinos hinein und an diesem bis zur Mündung des Jster-Flusses. Diese ganze Strecke läßt sich auf dem kürzesten Wege und bei immer günstigem Winde von einem Lastschiff in vier Tagen und ebensoviel Nächten zurücklegen; zu Lande aber könnte ein Mann, der gut zu Fuße ist, aus dem kürzesten Wege von Abdera in eilf Tagen zum Jster gelangen. Das war die Erstreckung an der Seeküste; landeinwärts aber ist von Byzanz bis zu den Lääern und dem Strymonflusse, denn das ist vom Meere an gerechnet die größte Entsernung, für einen guten Fußgänger ein Weg von dreizehn Tagen. Die Steuern, welche von dem gesammten barbarischen Lande wie auch von den hellenischen Städten unter der Regierung des Seuthes bezahlt wurden, der dem Sitalkes in der königlichen Würde gefolgt war und die Abgaben auf'» Höchste gesteigert hatte, betrugen ungefähr vierhundert Silbertalente und gingen in Gold und Silber ein. Und nicht weniger als dies wurde in Geschenken an Gold und Silber gebracht, ungerechnet die Gewebe und die schlichte Leinwand und sonstiges Geräthe, und dergleichen wurde nicht nur dem Könige, sondern