History of the Peloponnesian War
Thucydides
Thucydides. Geschichte des Peloponnesischen Kriegs. Wahrmund, Adolf, translator. Stuttgart: Krais and Hoffmann, 1864.
In demselben Sommer, zu einer wirklichen Neumondszeit '^), — wo es auch allein möglich zu sein scheint, wurde nach Mittag die Sonne verfinstert und nahm dann wieder ihre volle Gestalt an, nachdem sie zuvor wie die Mondsichel erschienen und einzelne Sterne sichtbar gewesen waren.
In demselben Sommer machten auch die Athener den Nymphodoros, des Pythes Sohn aus Abdera, zu ihrem Gastfreund, — dessen Schwester an Sitalkes verheirathet war, und bei welchem er darum viel vermochte. Früher hatten sie ihn als ihren Feind angesehen, jetzt aber ließen sie ihn nach Athen kommen, weil sie wünschten, daß er den Thrakerkönig Sitalkes, Sohn des Teres, zu ihrem Bundesgenossen mache. Dieser Teres, des Sitalkes Vater, war es, der den Odrysern zuerst die vorwiegende Herrschaft gegenüber den andern Thrakern verschaffte, denn es ist auch ein großer Theil der Thraker frei und selbständig. Mit dem Tereus, welcher die Prokne, des Pandion Tochter, ans Athen, zum Weib hatte, steht dieser Teres in keinerlei Verwandtschaft, und jener war auch nicht einmal ans demselben Thra [*]( Das Mondjahr der Athener zu 354 Tagen wich von dein richtig gezahlten Sonnenjahre bedeutend ab weshalb auch die Monatsanfänge n. dgl., wie sie nach dem bürgerlichen Kalender gelten sollten, mit den wirklichen astronomischen nicht übereinstimmten. Darum ist hier gesagt: zu einer Zeit, wo am Himmel wirklich Neumond war. Das Datum war der 8. August. Vgl. Böckh, Zur Geschichte der Mondcyklen, S. 85. )
Die Athener aber, welche noch auf den hundert Schiffen in den Peloponnesischen Gewässern kreuzten, nahmen Solion weg, ein Korinthisches Städtchen, und gaben von den Akarnanern allein den Paläreern Land und Stadt zum Wohnsitz. Auch Astakos, wo Euarchos als Tyrann herrschte, nahmen sie mit Gewalt, vertrieben jenen und zogen die Stadt in ihre Bundesgenossenschaft. Dann schifften sie gegen die Insel Kephallenia und wurden ihrer ohne Schwertstreich Herr. Kephallenia liegt in der Gegend von Akarnanien [*]( 15) Terms, Gemahl der Prokne, entehrte deren Schwester Philomela. Aus Rache tödtete nun Prokne ihren und des Tereus eigenen Sohn Jtys. Philomela wurde dann in eine Nachtigall verwandelt. )
Nach diesem Sommer, zur Zeit des Spätherbstes, fielen die Athener insgesammt und mit ihnen ihre Beisitzer in Megaris ein, unter Anführung des Perikles, des Aanthippos Sohn. Auch die Athener vom Peloponnes, welche auf den hundert Schiffen nach Hause segelten und grade auf der Höhe von Aegina angekommen waren, als sie erfuhren, daß die ans der Stadt mit ihrer gefammten Macht in Megaris stünden, schifften hin und vereinigten sich mit ihnen, und so war dies Heer das größte, welches die Athener zusammengebracht haben, so lange die Stadt noch in Blüthe stand und noch nicht durch die Krankheit gelitten hatte. Denn der Athener selbst waren nicht weniger als zehn Tausend Schwerbewaffnete, und außer diesen hatten sie noch drei Tausend IV) in Potidäa stehen; von den Beisitzern aber waren nicht weniger als drei Tausend Schwerbewaffnete mit ihnen ausgefallen, und dazu kam noch der übrige Haufe von Leichtbewaffneten, nicht gering an Zahl. Nachdem sie nun den größten Theil der Landschaft verwüstet hatten, kehrten sie zurück. Aber auch noch später in diesem Kriege geschahen jährlich Einfälle der Athener in das Gebiet von Megara, theils mit der Reiterei, theils mit der Gefammtmacht, bis Nisäa von ihnen genommen wurde.
Gegen Ende dieses Sommers wurde von den Athenern auch Atalante befestigt, um eine Besatzung auszunehmen, — eine srüher unbewohnte Insel, der Küste der opnntischen Lokrer gegenüber gelegen. Dies geschah in der Absicht, daß nicht von Opus und dem übrigen Lokris auslausende Seeräuber Euböa beunruhigen möchten. Das Alles fielin diesem Sommervor, nach dem Abzug derPeloponnesier aus Attika.
Im folgenden Winter beredete der Akarnanier Euarchos, um Astokos wieder in seine Gewalt zu bekommen, die Korinther, daß sie ihn zur See mit vierzig Schiffen und fünfzehn Hundert Schwerbewaffneten zurückführen sollten. Dazu hatte er selbst einige Hülssvölker gemiethet. Anführer des Zugs waren Euphamidas, des Aristo [*]( 16) Vgl. l, 57, ei; noch sechzehnhnndert l. 64. Um so viele mochte die Anzahl (4600) durch die Belagerung vermindert sein (Poppo). Es in doch wohl eher auch eine Anzahl zurückgekehrt (Kr.) )
In diesem Winter feierten nach väterlicher Weise die Athener öffentlich das Leichenbegängniß der zuerst in diesem Kriege Gefallenen. Hiebei wurde es so gehalten: Drei Tage vorher wird ein Zelt aufgeschlagen, und darin die Gebeine der Gebliebenen zur Schau ausgestellt, und ein Jeder bringt seinem Todten eine Gabe, wenn er will. Wenn uuu die Gebeine hinausgesührt werden, so kommen Wagen mit Särgen von Cypressenholz, Einem für jede Gemeinde, lind die Gebeine eines Jeden kommen in den Sarg seiner Gemeinde. Ein gepolstertes Todtenbett wird leer nachgetragen für die Vermißten, welche man nicht finden und aufheben konnte. Mit dem Zuge kann aber Jeder gehen, wer will, sei er Bürger oder Fremder, und auch die verwandten Frauen sind bei dem Begräbniß, zur Wehklage. Darauf nun setzt man sie in dem öffentlichen Grabmale bei, welches in der schönsten Vorstadt Athens ist, — und hier begräbt man immer die im Kampfe Gefallenen; ausgenommen sind nur die von Marathon; denn da die Athener deren Tapferkeit für hell vorleuchtend erklärten, so gaben sie ihnen auch ihr eigenes Grab. Wenn nun die Erde sie bedeckt hat, so hält ein von der Stadt gewählter Mann, der für einsichtig gilt nnd an Ansehen vor-ragt, ihnen die geziemende Lobrede. Danach gehen sie auseinander. Dies ist die Art und Weise ihres Begräbnisses, und den ganzen Krieg hindurch, so oft es vorkam, hielt man sich an diese Sitte. Für diese Ersten nun wurde Perikles, des Xanthippos Sohn, zum Reden gewählt, und als der Augenblick dazu gekommen war, trat er von dem Grabmal auf eine hohe Bühne, die man dazu errichtet hatte, damit er weithin durch die ganze Versammlung gehört werde, und redete so: