History of the Peloponnesian War
Thucydides
Thucydides. Geschichte des Peloponnesischen Kriegs. Wahrmund, Adolf, translator. Stuttgart: Krais and Hoffmann, 1864.
So lange nun das Heer bei Eleusis und in der thriasischen Ebene stand, hatten die Athener noch einige Hoffnung, daß der Feind nicht wagen würde, weiter vorzugehen; denn sie erinnerten sich, daß auch der lakedämonische König Pleistoanax, des Pausanias Sohn, als er vierzehn Jahre vor diesem Krieg mit einem peloponnesischen Heere in Attika einfiel, bis nach Eleusis und Thria vordrang, dann aber wieder zurückzog, ohne weiter vorzugehen, weshalb er auch aus Sparta verbannt wurde, da er im Verdacht stand, durch Gold bestochen den Nuckzug augetreten zu haben. Als aber die Athener das
Perikles sah, daß sie den gegenwärtigen Stand der Dinge ungeduldig ertrugen und daß ihre Gedanken nicht die heilsamsten seien, vertraute aber, daß seine Ansicht in Betreff eines Ausfalls die richtige sei, und ließ weder eine Volksversammlung, noch sonst eine Zusammen- kunst veranstalten, damit nicht eine solche Versammlung, mehr der Leidenschaft als ruhiger Einsicht Raum gebend, Fehler begehe. Die Stadt ließ er wohl bewachen und hielt sie so ruhig, als eben möglich. Reiterei sandte er ununterbrochen aus, damit nickt Streistruppen des feindlichen Heeres in die nahe bei der Stadt gelegenen Gründe einfielen und Schaden anrichteten, und es kam auch bei Phrygioi zwischen einer atheniensischen Reiterabtheilung, bei welcher auch Thessaler waren, und der böotischen Reiterei zu einem kleinen Gefecht, in welchem die Athener und Thessaler nicht im Nachtheil waren, bis sie sich zurückzogen, als die Schwerbewaffneten den Böotiern zu Hülfe eilten. Hiebei verloren die Thessaler und Atheuer einige Leute, die sie jedoch noch au demselben Tage, ohne daß deshalb ein Waffenstillstand eintrat, abholten. Des folgenden Tages stellten die Peloponnesier ein Siegeszeichen auf. — Diese Hülfeleistung der Thessaler geschah zusolge eines alten Waffenbündnisscs mit den Athenern, und es waren ihrerseits [*]( Thukydidcs. II. ) [*]( 11 )
Da nun die Athener nicht zur Schlacht ausruckten, so brachen die Peloponnesier ihr Lager bei Acharnä ab und verwüsteten einige andere Gemeindebezirke zwischen dem Parnes und dem Brilessischen Gebirge.^ Während sie aber noch im Lande waren, schickten die Athener die Hundert Schiffe, die sie ausgerüstet hatten, mit Tausend Schwerbewaffneten und vierhundert Bogenschützen in die peloponnesischen Gewässer. Anführer waren Karkinos, des Xenotimos Sohn, Proteas, Sohu des Epikles, und des Antigenes Sohn Sokrates. Mit dieser Bemannung ging die Flotte unter Segel und kreuzte. Die Peloponnesier aber, nachdem sie so lange in Attika verweilt hatten, als die Vorräthe ausreichten, zogen sich durch böotisches Gebiet, nicht auf dem Wege, auf dem sie gekommen waren, zurück, und bei Oropos vorüberziehend verwüsteten sie den sogenannten grajischen Bezirk, wo die Oropier, athenische Unterthanen, wohnen. Nach der Ankunft im Peloponnes wurde die Armee aufgelöst, und Jeder ging nach seiner Hcimath.
Nach dem Abzüge der Feinde stellten die Athener zu Land und zu Wasser Wachtposten aus, sowie sie dieselben während des ganzen Krieges beibehalten wollten. Dann nahmen sie von dem Geld auf der Burg tausend Talente ") und beschlossen dasselbe ans die Seite zu legen und nicht anzugreisen, sondern die Kriegskosten vom Uebrigen zu bestreiten; Wenn aber Einer davon spräche oder seine Stimme dahin abgäbe, diese Gelder zu einem andern Zwecke zu verwenden, — ausgenommen den einen Fall, daß eine feindliche Flotte gegen die Stadt ansegle, und man sich dagegen vertheidigen müsse, — der solle mit dem Tod bestraft werden. Zugleich sollten auch Hundert Dreiruderer ausgesondert werden, jedes Jahr die besten und die dazu gewählten Schiffsbefehliger "), — in der Absicht, sich dieser Fahrzeuge ebenso [*]( 12) Vgl. Böckh, Staatshaushalt der Athener l, S. 398? .«rilger, Studien II. S. 250 ff. ) [*]( 13) Es ist anzunehmen, daß für die hundert Schiffe jährlich hundert andere subftituirt wurden (Kr.). Ueber die gewählten Kapitäne vgl. Mich, Staatshaushalt I. S. 70,0. )
Die Athener in den peloponnesischen Gewässern nun, ans ihren Hundert Schiffen, und die zur Bundeshülse mit ihnen vereinigten Kerkyräer ans fünfzig Schiffen, dazu auch noch einige andere der dasigen Bundesgenossen, landeten, nachdem sie an der Küste kreuzend schon manchen Schaden gethan hatten, bei Methone (Modon) in Lakonika und griffen die schwach befestigte und durch geringe Mannschaft vertheidigte Stadt an. Nun stand in der Nähe der Spartaner Brasidas, Sohn des Tellis, als Befehlshaber eines Wachpostens, und als er hievon hörte, so eilte er denen in der Stadt mit Hundert Schwerbewaffneten zu Hülse, und mitten durch das Heer der Athener durchbrechend, während diese auf dem Lande zerstreut und ihr Augenmerk aus die Wälle der Stadt gerichtet war, gelangte er nach Methone und entsetzte den Platz mit einem sehr geringen Verluste an Mannschaft, und in Folge dieses Wagestückes war er der Erste in diesem Kriege, der zu Sparta belobt wurde. Die Athener hoben jetzt die Belagerung ans, segelten nach Pheia in Elis und verheerten das dortige Gebiet zwei Tage lang, schlugen auch drei Hundert Mann ausgewählter Truppen aus dem eleischen Thallande und der umliegenden Landschaft, die zur Hülse herbeigeeilt waren. Da sich aber ein großer Sturm erhob, und sie an dieser hafenarmen Küste vom Unwetter litten, so gingen die Meisten wieder an Bord und segelten um das Vorgebirge Jchthys in den Hafen von Pheia, während die Mefsenier, und wer sonst noch die Schiffe nicht hatte gewinnen können, zu Lande marschirten und Pheia wegnahmen. Später nahmen die kreuzenden Schiffe diese Truppe wieder auf und gingen, Pheia verlassend, auf's hohe Meer. Auch war von den Eleern unterdessen schon ein zahlreiches Heer zur Hülse herbeigeeilt. Die Athener aber fuhren fort zu kreuzen und andere Küstenstriche zu verwüsten.
Um dieselbe Zeit schickten die Athener auch dreißig Schiffe in die Gewässer von Lokris und nm Euböa zn decken. Kleopompos, des Kleinias Sohn, befehligte sie. Derselbe unternahm einige Landungen , verheerte hie und da die Küste und nahm Thronion weg. Von dieser Stadt ließ er sich Geißeln stellen und schlug eine zur Hülfe herbeigeeilte Schaar Lokrer in einem Gefechte bei Alope. [*]( 11 * )
[*]( 43l v. Chr. ) Im selben Sommer trieben die Athener auch die Aegineten von ihrer Insel, Alle, sammt Weib und Kind. Sie gaben ihnen nämlich Schuld, daß sie nicht die geringste Ursache dieses Krieges seien. Auch glaubten sie, daß die dem Peloponnes naheliegende Insel Aegina für sie sicherer sei, wenn sie selbst dorthin Ansiedler sendeten, und so schickten sie denn auch nicht lange danach Kolonisten dorthin. Den ausgetriebenen Aegineten aber gaben die Lakedämonier Thyrea zum Wohnsitz nnd das umliegende Land zum Anbau, einmal aus Haß gegen die Athener, und dann auch, weil sie sich zur Zeit des Erdbebens und des Heloten-Aufstandes um sie verdient gemacht hatten. Das thyreatische Land liegt aus der Gränze zwischen Argos und Lakonika und reicht bis an's Meer. Ein Theil nun von ihnen siedelte sich dort an, die Andern zerstreuten sich im übrigen Hellas.